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Christian Haas

STYLEPARK VILLEROY & BOCH
Neue Maßstäbe setzen

Christian Haas hat für Villeroy & Boch die neue Armaturenkollektion "Vea" entworfen, die moderne Technologie und traditionelle Handwerk vereint. Worauf es bei der Gestaltung für das Bad heute ankommt, sagt er uns im Interview.

Anna Moldenhauer: Wie ist die Zusammenarbeit mit Villeroy & Boch zustande gekommen?

Christian Haas: Mit Villeroy & Boch arbeite ich jetzt schon seit mehr als 15 Jahren zusammen, über die unterschiedlichsten Unternehmensbereiche hinweg. In der letzten Zeit haben wir die Kooperation für den Bereich Bad und Wellness intensiviert.

Gab es einen Schlüsselmoment dafür?

Christian Haas: Vor 25 Jahren habe ich nach dem Industriedesign-Studium mein Büro gegründet und mich zuerst auf das Thema Tischkultur spezialisiert. Über das Material Keramik kamen neue Bereiche dazu und damit auch das Thema Bad und Armaturen. Es gibt immer wieder neue gestalterische Aufgaben, die spannend sind und mich in meiner Arbeit voranbringen.

"Vea" kombiniert die keramische Tradition mit der technologischen Expertise von Villeroy & Boch. Wie kann ich mir deine Zusammenarbeit mit den diversen Abteilungen des Unternehmens vorstellen?

Christian Haas: Durch die Integration der Villeroy & Boch Keramik verschmelzen die beiden Kernkompetenzen. Die Entwicklung von einem Produkt wie "Vea" dauert etwa zwei, drei Jahre und während dieser Zeit gab es relativ viel Veränderungen. Die ViPush-Technologie in das Projekt zu integrieren war beispielsweise eine Idee des Produktmanagements von Villeroy & Boch. Diese Form der Bedienung brachte uns auf die Idee, Keramik als Hauptberührungspunkt in das Design als Key-Element zu übertragen. In den Anfängen von Armaturen, wie wir sie kennen, war Keramik häufig ein Bestandteil der Gestaltung. Wir wollten diese Idee aufgreifen, allerdings zeitgemäß und sinnlich reduziert.

Wurden in diesem Zuge Werkzeuge oder Produktionsverfahren angepasst?

Christian Haas: Mehr noch, denn Villeroy & Boch hat in der Zwischenzeit den Komplettanbieter für Badezimmerlösungen und Produkte Ideal Standard übernommen und damit auch ein riesiges Know-How im Bereich Armaturen. Die technische Entwicklung mit Durchlaufraten und dem sparsamen Verbrauch von Wasser ist hochkomplex, daher war es hilfreich auf dieses Wissen parallel zu der Kernkompetenz von Villeroy & Boch zurückgreifen zu können.

Die Formensprache von "Vea" ist von einem Parfümflakon inspiriert. Wie kam diese Idee zustande?

Christian Haas: Villeroy & Boch hat mir erfreulicherweise einen großen gestalterischen Freiraum gewährt. Die Bedienung und Formensprache von Beautyprodukten waren tatsächlich inspirierend, auch hinsichtlich der Aktivierung des Wasserflusses. Details, wie eine facettierte Kante von Parfümflakons, habe ich abstrakt in die Form der Armatur einfließen lassen.

Die ViPush-Technologie wird zum ersten Mal bei "Vea" eingesetzt und bietet eine Wassersteuerung per Fingerdruck sowie die Kontrolle der Temperatur durch Drehen des Knopfes. Hat die Technik somit auch die Form bestimmt?

Christian Haas: Wir hatten ursprünglich an etlichen Varianten gearbeitet, die auf eine eher klassische Bedienung ausgelegt waren. Als die ViPush-Technologie ins Spiel kam, haben wir die ersten Ansätze über Bord geworfen und uns auf die Gestaltung des Bedienknaufes konzentriert, wie er im finalen Produkt zu sehen ist.

Die Kollektion ist variantenreich und lässt sich harmonisch mit den bisherigen Keramiken von Villeroy & Boch kombinieren. Was war dafür die Herausforderung?

Christian Haas: Die größte Herausforderung haben wir einige Jahre zuvor mit "Conum" bereits bewältigt: Die erste Armaturenserie für Villeroy & Boch mit hohem Designanspruch zu entwerfen und die Kollektion von Beginn an in ihrer Gesamtheit zu denken. Es gibt zudem zahlreiche Normen, die eine Armatur für die unterschiedlichen Einbausituationen erfüllen muss. Man arbeitet da in einem sehr engen Gerüst, im Fall von "Vea" hat das meine Kreativität eher befeuert.

Die Varianz betrifft auch die Oberflächen – von Mattschwarz bis Chrom.

Christian Haas: Genau, denn mit Farben und unterschiedlichen Oberflächen lässt sich die Wirkung von "Vea" im Raum stark beeinflussen. Chrom in Kombination mit weißem Keramik-Inlay erzeugt eine klassische Assoziation, mattes Schwarz mit pure black Keramik-Inlay wirkt modern. Die Formgebung verbindet sich jeweils mit der Materialität. Es war mir sehr wichtig, ein Produktserie zu schaffen, die eine eigene Charakteristik und einen starken Wiedererkennungswert hat, aber trotzdem in unterschiedlichen Interiors gut funktioniert.

"Vea" hat den Designplus Award 2025 by ISH gewonnen, den Stylepark mit auslobt. Welche Reaktion hast du vom Messepublikum auf deine Arbeit bekommen?

Christian Haas: Das Feedback war sehr positiv. Es war wichtig für Villeroy & Boch die Designkompetenz auch im Armaturenbereich zu zeigen, ein zunehmend wichtiger werdender Unternehmensbereich. "Vea" hat einen sehr eigenen Charakter, ohne sich aufzudrängen, der Entwurf hat Relevanz. Das hat viele in der Branche überrascht und mir als Gestalter Komplimente eingebracht.

Worauf kommt es heute beim Design von Sanitärausstattungen an?

Christian Haas: Auf einen ganzheitlichen Blick, der das Badezimmer als persönlichen Rückzugsort versteht und in dem bewusst Akzente gesetzt werden. Entwürfe für den Sanitärbereich müssen qualitativ, aber auch gestalterisch besonders langlebig angedacht werden, denn im Normalfall werden Bäder nur alle 20 bis 30 Jahre in Deutschland erneuert. Das kommt meinem persönlichen Anspruch entgegen, denn ich orientiere mich nicht gerne an Trends, sondern entwerfe Produkte mit langer Lebensdauer. Mit Villeroy & Boch zusammenzuarbeiten ist ein Garant für qualitativ hochwertige Produkte, sie sind gut verarbeitet und robust.

Du hast dich im Studium auf ästhetisches Design fokussiert. Japan war ein großer Impulsgeber für dich. Was reizt dich an dieser Art der Formgebung?

Christian Haas: Ich bin in Erlangen aufgewachsen. Die ersten Berührungspunkte mit Gestaltung hatte ich als Kind über ein Interiorgeschäft mit skandinavischen Designs, in dem meine Mutter öfter etwas gekauft hat. Das Thema Tischkultur habe ich im Studium in München für mich entdeckt. Unser damaliger Werkstattleiter hat mehr als 30 Jahre für Wilhelm Wagenfeld gearbeitet. In der Arbeit mit ihm habe ich schnell gemerkt, welchen großen Unterschied eine gelungene Kurve oder ein Millimeter mehr Wölbung bewirken kann. Die Feinheiten in Formen und ausgeglichene Proportionen liegen mir seitdem, da habe ich eine Expertise erreicht.

Deine Gestaltung ist sehr präzise, bietet aber parallel eine Sinnlichkeit.

Christian Haas: Ja, das ist mir wichtig. Es ist mein Anspruch, dass ich Dinge kreiere, die Bestand haben. Das größte Kompliment ist für mich, wenn ich eine Anfrage zu einem Design erhalte, das zehn oder 15 Jahre alt ist. Ich bin in meiner Gestaltung wenig radikal, eher ein demokratischer Typ und möchte, dass sich möglichst viele Personen an meinen Produkten erfreuen.

Du hast sehr früh, nur ein Jahr nach deinem Studium, ein eigenes Studio gegründet. Was würdest du heute genauso und was anders machen?

Christian Haas: Ich habe relativ früh gelernt, mich arbeitsmäßig breit aufzustellen. Das hilft Frustration über gescheiterte Projekte abzufedern. Daher arbeiten wir in meinem Studio an etlichen Projekten parallel, Überschneidung gibt es permanent. Zudem braucht man als DesignerIn eine dicke Haut und eine gewisse Distanz zu den eigenen Entwürfen, auch wenn man in der Entwicklung bis in die Details verwoben ist. Nicht jedes Projekt lässt sich realisieren, für die ersten Erfolge braucht es Zeit. Es zählt dranzubleiben. Mir hat es beispielsweise geholfen eine kleine Eigenproduktion zu starten, um die ersten Produkte auf den Markt zu bringen. Die eigene Neugierde zu bewahren ist ebenso wichtig.

Du lebst und arbeitest in Portugal. Ich unterstelle dir jetzt mal, dass das auch deine Sicht auf das Material Keramik beeinflusst. Was würde dich nach "Vea" noch reizen mit Villeroy & Boch für das Badezimmer zu entwerfen?

Christian Haas: Ein komplettes Badezimmer mit Keramik und Armaturen zu entwerfen, das meinen Vorstellungen entspricht.