REVIEW – LIGHT + BUILDING 2026
Wandel für die Zukunft
Blickte man in die Hallen der Light + Building 2026 wurde schnell klar: Die Gebäudetechnik wird zunehmend zum Fokus der Veranstaltung. Ein Trend, der sich bereits 2024 abzeichnete, als zahlreiche namhafte Hersteller von dekorativen Leuchten aus Frankfurt am Main fernblieben und stattdessen ihre Produkte auf der Euroluce in Mailand zeigten. Wer die Atmosphäre der Lichthallen von früher kennt, mag das bedauern. Parallel zeigte sich nun umso deutlicher die technische Expertise, die angesichts von Fachkräftemangel und Ressourcenknappheit dringend mehr Investition bedarf. Eine Veränderung hat stets viele Facetten und daher lohnt es, mit offenem Geist und ohne Nostalgie im Sinn die Light + Building zu besuchen, denn die Industrie arbeitet trotz aller Krisen mit Hochdruck daran, ihr Angebot für die Zukunft zu ertüchtigen. Und das bedeutet in erster Linie: Prozesse vereinfachen, Systeme kompakt wie flexibel gestalten, das Wesentliche herausarbeiten. Möglichst effizient, platzsparend, reparabel und zeitlos in der Gestaltung sollen die Produkte sein. Überraschend dabei: Das Thema Nachhaltigkeit, welches in den letzten zwei Jahren von zahlreichen Unternehmen angesichts immer neuer globaler Krisenherde wie ein kurzlebiger Trend grob vom Tisch gewischt wurde, erfuhr ein softes Comeback auf den Ständen.
Georg Bechter Licht zeigte das "System Dot 28", das eine Cradle to Cradle Zertifizierung in Gold erhalten hat, schneller montiert werden kann und eine neue Vielfalt an ästhetischen Optionen erhält. "Cradle to Cradle ist für uns kein Label, sondern eine Haltung: intensivere Überlegungen, funktionierende Kreisläufe, weniger Verschwendung", so Georg Bechter Licht. Siedle vernetzt für die Gebäudesteuerung mit der IQ Produktfamilie aus cloudbasierter Plattform, digitalen Services und einer IP-basierten Video-Sprechanlage Geräte, Elektrohandwerk, HausbewohnerInnen und Verwaltung miteinander. Viele Aufgabenstellungen, wie bei großen Wohnanlagen, lassen sich so aus der Ferne erledigen. Die Bedienoberfläche wurde mit Siedle IQ Touch optimiert, um diese intuitiver nutzbar werden zu lassen. Die Server von Siedle stehen in Europa. "Das wichtigste Entwicklungsziel von IQ ist, dass es allen Anwendern das Leben einfacher macht, Arbeit erleichtert und Prozesse vereinfacht. Das gilt für den professionellen Einsatz in der Wohnungswirtschaft ganz besonders. Im Betrieb großer Wohnanlagen braucht es wartungsarme Technik mit gutem Preis-Leistungsverhältnis, auf die man sich jahrelang verlassen kann", so Peter Strobel, Geschäftsführer Markt und Innovation bei Siedle.
Die Bestandsoptimierung wurde an vielen Ständen aufgegriffen: Der Gira 2-Draht-Umsetzer IP, voraussichtlich ab Januar 2027 lieferbar, ermöglicht die Migration bestehender Türkommunikationsanlagen in die IP-Welt ohne Neuverkabelung. Dabei nutzt die nachrüstbare digitale Türkommunikation die vorhandenen 2-Draht-Leitungen für die Daten- und PoE-Spannungsversorgung weiter, Umbaumaßnahmen entfallen. Thorn Lighting, ein Technologieunternehmen der Zumtobel Group, zeigte in Kooperation mit der Schwestermarke Tridonic "airASPECT" – eine neue Familie von Umweltsensoren für Anwendungen zur Messung der Umweltqualität in Innenräumen. Der Sensor offeriert kostengünstige Messungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Luftqualitätsindex und CO2 im gesamten Gebäude. Trilux bietet für eine unkomplizierte Smartifizierung bestehender Gebäude mit der LiveLink Bluetooth NLC Gateway Funkerweiterung erstmals die Option kabelgebundene DALI-Netzwerke und kabellose Funk-Netzwerke zu einem hybriden System zu kombinieren. Die Inbetriebnahme erfolgt über die LiveLink ONE App. Grundfos vereint mit der Energieeffizienzlösung "MIXIT" alle Mischkreiskomponenten in einem intelligenten Plug‑and‑Play‑System und reduziert den Aufwand für Installation wie Inbetriebnahme. Die automatische Systemanpassung spart bis zu 25 Prozent Energie, während die neue Supply‑Source‑Setpoint‑Funktion weiteres Optimierungspotenzial erschließt. Durch den Fokus auf Kreislaufwirtschaft sinkt zudem das Müllaufkommen. Die Entwicklung wurde mit dem Designplus Award by Light + Building ausgezeichnet.
Einfach, energiesparend und smart ist das Motto. In dem Zuge taucht hier und da die industrielle KI als Prozessoptimierer auf, allen voran bei Siemens. Das Unternehmen arbeitet daran das "Human Centric autonomous Building" auf den Weg zu bringen, das einen optimierten Betrieb für Nutzende und Betreibende bietet. Autonome Gebäude stellen die nächste Entwicklungsstufe im Gebäudebetrieb dar und Siemens gestaltet diese mit einem integrierten Ansatz, der Gebäudetechnologien und Elektrifizierung über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg verbindet. Ziel ist es, die Effizienz und den langfristigen Wert des Gebäudes zu steigern. Darüber hinaus wurde seitens Siemens ein kreislauffähiger Sanftstarter vorgestellt. Durch den geringeren Ressourcenverbrauch werden laut des Unternehmens die CO2-Emissionen im Vergleich zu einem Neugerät um bis zu 50 Prozent reduziert. Der Prozess wird anhand von Umweltproduktdeklarationen (EPD) transparent dokumentiert. "Mit unserem wiederaufbereitetem Sanftstarter SIRIUS 3RW5 -Z R11 erhalten Kunden ein generalüberholtes Produkt, das die gleiche Leistung erbringt wie ein neues und eine zuverlässige und umweltfreundliche Alternative darstellt", so Andreas Matthé, CEO Electrical Products bei Siemens Smart Infrastructure. Weiterführend wird der Ansatz und die Bewertungsmethodik des hauseigenen Labels "ecoTech", eine Umwelterklärung für Siemens-Produkte, die auf produktspezifischen Bewertungen von nachhaltigkeitsrelevanten KPIs basiert, aktuell vom TüV Rheinland gemäß den ISO-Normen 14020 und 14021 extern validiert.
Zumtobel erforscht mit der Konzeptstudie "Matrix" die Option verschiedene Technologien auf in einer Leuchte kombinieren, um Licht gezielt und in Echtzeit an sich verändernde Tätigkeiten anzupassen. Dazu identifiziert Sensorik spezifische Objekte und Aktivitäten im Arbeitsbereich; künstliche Intelligenz (KI) wertet die Tätigkeitsmuster aus und passt die Lichtstimmung wie den Energieverbrauch umgehend an die neuen Anforderungen an.
Einen leistungsstarken Baustein für moderne Energieverteilungen, der nahtlos integrierbar ist, zeigt "ABB SACE Emax 3": der erste cybersichere offene Niederspannungs‑Leistungsschalter, der sichere Netzanbindung mit intelligenter Technologie verbindet. Das Produkt wurde mit dem Designplus Award by Light + Building ausgezeichnet, den Stylepark mit vergeben hat. Ebenfalls über einen Designplus Award freuen konnte sich Mennekes für "ONE", ein Plug‑and‑Play‑IoT‑Ökosystem, das Prozesse beschleunigt und Transparenz in der industriellen Energieverteilung schafft. Die integrierte Sensorik sendet Betriebsdaten direkt in die Industrial Cloud, wo sie über Servicemodule visualisiert, in externe Systeme eingebunden werden kann und zur CO₂‑Fußabdruck‑Berechnung pro Produktionsschritt dient. Wago erweitert zudem sein modulares Gebäudeautomationssystem, das aus Engineeringsoftware, Applikationslösungen und Automationshardware besteht, um eine vollumfängliche Management- und Bedieneinrichtung (MBE) und integriert diese in das neue Wago Building Ecosystem.
Als erster Leuchtenhersteller startet Zumtobel einen standardisierten Remanufacturing Service, der die Lebensdauer von Leuchtsystemen auf mindestens zwei Produktlebenszyklen verlängert. Mit dem Rund-um-Sorglospaket soll dieser Unternehmen die Prozesslast nehmen, von der De‑Installation gebrauchter Leuchten über die industrielle Wiederaufbereitung und Qualitätskontrollen bis hin zur Re‑Installation. Die Vereinbarung für Remanufacturing inklusive regelmäßiger Wartung und jährlicher Inspektion der Leuchtsysteme kann ab sofort bei Neuanschaffung ausgewählter Leuchten der Serien Tecton II, Vivo II, Panos III, Craft II und Factor II abgeschlossen werden. "Unser Remanufacturing Service adressiert den Bedarf der Kunden insbesondere im stationären Einzelhandel, sowie in der Logistik und Produktion. Er führt zu niedrigeren Gesamtbetriebskosten, weniger Ressourcenverbrauch und Emissionen, sowie zu einer steigenden Performance dank regelmäßiger technologischer Updates", sagt Alexandru Zloteanu, Innovation Manager bei Zumtobel. Weiterführend bietet Tridonic Dienstleistungen an, die den gesamten Lebenszyklus eines Projekts abdecken, wie mittels Sensortechnologie, durchgängig vernetzte Systemintegration und KI-gestützter Auswertungen. Die Daten aus der Beleuchtungsinfrastruktur werden somit für die vorausschauende Wartung, Sanierungsplanung und Betriebsoptimierung zugänglich. "Wir treten in eine Phase ein, in der Licht zu einem aktiven Bestandteil der digitalen Architektur wird", so Hugo Rohner, CEO von Tridonic.
Auch angesichts der verschärften Anforderungen seitens der EU, die mit der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) Standards für neue und bestehende Gebäude festlegt, ist die effiziente Steuerung, Analyse und Überwachung in Gebäudeautomationssystemen bedeutend. Der zeitliche Rahmen für die Umsetzung wurde mit Mai 2026 allerdings sportlich angesetzt: "Realistisch betrachtet wird das kaum zu schaffen sein.", sagt Dr. Peter Hug, Geschäftsführer des Fachverbandes Gebäudeautomation im VDMA im Interview mit Stylepark für die Plattform Building.Technology.Solutions der Messe Frankfurt AG. Ferner wird laut ihm die KI zukünftig vor allem zwei Bereiche prägen: "Machine Learning auf Basis langer Datenreihen – hier kann KI aus historischen Daten lernen und dadurch den Gebäudebetrieb effizienter gestalten. Darüber hinaus Predictive Maintenance: Wenn sehr viele Datenpunkte vorliegen und eine Anlage nicht optimal läuft oder ausfällt, kann KI rückblickend Ursachen erkennen – und perspektivisch sogar vorhersagen, bevor Schäden auftreten. Genau da liegt der große Mehrwert gegenüber klassischen Algorithmen. Predictive Maintenance kann somit qualitativ auf ein neues Niveau gehoben werden."
Um die Effizienz der Prozesse messbar werden zu lassen, ist eine neue Transparenz gefragt. Gleichermaßen braucht es ein weites Angebotsspektrum, um eine Planbarkeit zu erreichen, die Sicherheit vermittelt. Die vorgestellten Systeme auf der Light + Building reichten von Anwendungen unterschiedlicher Größen, sei es für die Infrastruktur, den Betrieb eines Gebäudes oder die Meetingsraumverfügbarkeit am Arbeitsplatz. Esave entwickelte mit "SLC-Motion203-C" einen intelligenten All-in-One-Controller für Außenbeleuchtung mit Umwelt-, Helligkeits- und Bewegungssensorik. Dieser reduziert Lichtverschmutzung, bietet globale Konnektivität, Mesh-Netzwerke sowie kombiniert Bewegungsmelder und Steuerung in einem Zhaga-fähigen Gerät. Die Idee wurde mit dem Designplus Award geehrt. Zum Thema effiziente Flächennutzung im Büro stellte zum Beispiel LIZ, ein Tochterunternehmen von Waldmann, eine Smart Office Plattform vor, die datenbasierte Flächensteuerung und individuelle Arbeitsplatz- und Raumnutzung für Unternehmen jeder Größe bietet. Der Nutzen smarter Systeme beim Thema Wohnen konnte im E-Haus des ZVEH erkundet werden.
Das E-Auto als Baustein in der Dekarbonisierung erfuhr durch den gegenwärtigen Ölpreis-Schock im Zuge des Nahostkonflikts eine stärkere Aufmerksamkeit. Schneider Electric zeigte unter anderem modulare Lösungen für die Mobilitätswende mit Ladeinfrastruktur und Lastmanagement, wie das Stromschienensystem "Canalis" oder den Ladeinfrastruktur-Planer "ecorealEV". Auf dem Stand von Hager konnte man "witty park 2" erkunden, eine intuitiv bedienbare Ladestation mit zwei Ladepunkten à 22 kW, einsetzbar als Twin‑Wallbox oder freistehende Duo‑Ladesäule. Eine einzige Zuleitung, die einfache Montage und schnelle Inbetriebnahme sollen Aufwand und Komplexität reduzieren. Über LAN oder LTE ist der Betrieb aus der Ferne überwachbar, die OCPP‑Kompatibilität sorgt für Zukunftssicherheit. Die Ladestation wurde mit dem Designplus Award by Light + Building ausgezeichnet. Bega zeigte zum Beispiel eine Ladeeinheit für Elektrofahrzeuge, die nachträglich an Lichtmaste montiert werden kann.
Natur und Technik
Im Bereich der Lichtsysteme und Leuchten setzten die Aussteller auf der Light + Building einen Schwerpunkt auf den Weiterentwicklungen bestehender Systeme. Hinsichtlich der Materialität und Formensprache gab es dennoch einige Trends zu entdecken: Leuchtenkörper aus Alabaster waren wie in Form der Pendelleuchten "Equinox" von Belux und "ARE M PD" von Molto Luce sowie anhand mehrerer Kollektionen von Bert Frank zu sehen. Einen schlanken Holzkorpus mit feinen Messingdetails, der die dimmbaren LEDs mit hoher Farbwiedergabe ummantelt, stellte Nordlux mit der "AKENO Pendelleuchte" von Bjørn + Balle vor und sahnte dafür den Designplus Award by Light + Building ab. Ties Westerhuis entwarf indes für Waldmann die dreibeinige Stehleuchte "VIVAA.free Woodshade" mit integrierter Tageslichtsimulation, die aus Esche dunkel gefertigt ist und einen Leuchtenkopf mit senkrechter Gitterstruktur hat. Eden design bietet mit den "°bloc"-Kollektionen die Option die Leuchten mit natürlichen Materialien wie Marmor, Holz, Messing oder einem Material der eigenen Wahl zu kombinieren. Die Basis für die Kombination ist eine Standardschiene, die Blöcke werden mit Clips, beziehungsweise Adaptern daran befestigt.
Patrick Jouin ID entwarf für die Hoël-Marke Securlite "NODE" in drei Größen, eine robuste Außenleuchte aus Aluminium, die mit einem Leuchtenkopf aus Bambus überrascht. "Bei NODE wollten wir keine Trennung zwischen Natur und Technologie, sondern einen Dialog. Indem wir Holz in den Mittelpunkt des Projekts stellten, nicht als Dekoration, sondern als das Material, das die Technologie selbst beherbergt.", so Patrick Jouin. Die Symbiose mit der natürlichen Umgebung strebt Dexter Lighting mit "Aurora" an, einer Outdoorleuchte, die einem hoch gewachsenen, braunen Pilz gleicht. Diese kann flexibel platziert und in der Höhe verstellt werden. Das LED-Modul, welches ein nach unten gerichtetes, blendfreies Licht bietet, kann bei Bedarf ausgetauscht werden. Neue Ansätze für die Beleuchtung des Außenraums hatte die Pedrobeat Lighting Company / Lightholm mit dem "GEO Streetlight" im Gepäck: Dank der austauschbaren Rückklappe und dem modularen Aufbau sind wartungsarme Upgrades und der einfache Ersatz von Treiber‑ und Steuerungselementen umsetzbar. "In Kombination mit adaptiver Lichttechnik und vollständiger Smart‑City‑Kompatibilität setzt 'GEO Streetlight' einen starken Impuls für effiziente, langlebige und ökologische Stadtbeleuchtung.", so die Jury des Designplus Awards.
Leuchten mit einer minimalistischen Ästhetik, die im Hintergrund bleiben, aber dennoch mit ihrer Leistung wie Gestaltung überzeugen – interessant zu erkunden war dabei die Weiterentwicklung für "Vergo" von Kreon aus 3D-Sanddruck oder die "Calm Line" Kollektion von Bega. Letztere wurde kürzlich durch eine dimmbare, flexible Tischleuchte ergänzt, dessen Gehäuse aus Aluminiumguss in unterschiedlichen Farben erhältlich ist. Die donutförmige Abdeckung ist aus opalweißem, transluzenten Kunststoff gefertigt. Neben den zahlreichen geradlinigen Systemen, die als architektonisches Werkzeug dienen sollen, war diese organische, weiche Form zunehmend gefragt. In Lichttechnik, Materialität wie Ästhetik überzeugend ist dabei "Don" von Serien Lighting aus mundgeblasenem Glas, die bisher flachste Wand- und Deckenleuchte des Unternehmens. Spannend ist auch die Weiterentwicklung "Slice2 PI", die mit einem Streckgitter versehen das Licht lenkt und so als Wandleuchte fungiert.
Bei der Entwicklung neuer Leuchten aus Glas wurde bevorzugt mit gerippten oder anderweitig strukturierten Oberflächen gearbeitet, wie seitens Ideallux für die Kollektion "Bloom": Die äußere Hülle aus Bernsteinglas in Form einer Halbkugel umgibt die eine innere Kugel aus mattiertem Glas, die einen sanften, diffusen Lichteffekt erzeugt. Tonone kombinierte für den Prototyp der Pendelleuchte "Razer" das traditionelle Kunsthandwerk für die Herstellung Bleiverglasungen mit moderner LED-Technik. Die leichten Unregelmäßigkeiten und Glaseinschlüsse, die durch die Handarbeit entstehen, zahlen dabei auf den einzigartigen Charme der Leuchte ein.
Mit "The Editions" präsentiert der österreichische Leuchtenhersteller Zumtobel eine Serie an Lichtlösungen, die in Zusammenarbeit mit internationalen Architektur- und Designbüros entwickelt wurden. Die Leuchten der Reihe sind für unterschiedliche Raumsituationen geeignet, in denen Licht infrastrukturelle Funktionen übernehmen, individuelle Steuerung gewähren und visuelle Qualität präzise ausbalancieren soll. Ob als freistehende Arbeitsplatzleuchte "Skena", lineare Pendelleuchte "Izura", Rohrleuchte "Solena" oder als kompakte Tischleuchte "Taluna". Entstanden sind die neuen Editionen in sehr unterschiedlichen Kollaborationen: Beispielhaft stehen dafür das großmaßstäbliche Architekturprojekt des Bürogebäudes Hortus von Herzog & de Meuron, für das die "Solena"-Leuchten entwickelt wurden, wie eine intensive Konzeptionsphase für die visionäre Arbeitsplatzleuchte "Skena" mit dem Hamburger Büro BAID Architektur.
Stilnovo zeigte neben Weiterentwicklungen ikonischer Klassiker unter anderem die Kollektion "Papylia" von Giuseppe Maurizio Scutellà, dessen Glasflächen um einen stabförmigen Kern angeordnet sind. Die blütenähnlichen Scheiben sind mit feinen Linien versehen, die Lichtquelle selbst bleibt verborgen. Dank der dynamischen Struktur ergibt sich ein spannender visueller Effekt, der der Leuchte einen skulpturalen Charakter verleiht. Ebenfalls auf dem Stand zu entdecken war "Fronda", von Pio & Tito Toso, eine mehrstufige, modulare Pendeleuchte mit verzweigten Armen, die die Grundstruktur eines Kronleuchters in einer floral anmutenden Form und mit diffusem Licht übersetzt. W+, die Evolution von Wästberg, eine Marke der XAL Group, zeigte unter anderem die reduzierten Leuchten "Cast" von Foster+Partners. Maytoni lud indes die BesucherInnen mit der Serie "Evolution" zur Interaktion ein: Die zwei blütenförmigen Leuchtenschirme in dezenten Farben sind drehbar und bieten die Option das Erscheinungsbild der Leuchte wie die Beleuchtungscharakteristik anzupassen. Die matten Diffusoren in Kombination mit LED-Technologie sorgen für ein sanftes, blendfreies Licht.
Im Feld der Schienensysteme wird das schnelle Wechseln von variantenreichen Lichtmodulen bedeutender, einem Bedarf dem O/M mit "Sys" entspricht. Auf dem modularen Niedervolt-Schienensystem können die Lichtmodule zügig eingesteckt und versetzt werden. RZB führt mit "LINEDO 50" mit MES – MultiLumen Easy Select ein neues, schlankes Lichtbandsystem ein, bei dem die MultiLumen-Stufe über den Licht- oder Sicherungsschalter eingestellt werden. Geräteträger und Tragschiene bilden dabei eine montagefertige Einheit. Neben der Simplifizierung zählt ein nachhaltig gedachter Aufbau: Das schlanke Strangpressprofil der Leuchte "Enviva" von XAL wird aus Hydro Low Carbon Aluminium in Europa gefertigt und bietet klar trennbare Komponenten, die nicht verklebt, werkzeuglos zerlegbar und vollständig recyclebar sind. Für eine möglichst unsichtbare Aufhängung eignet sich darüber hinaus der Reutlinger u-Drahtseilhalter "Typ 0" aus vernickelten Messing: Mit nur 7,5 Millimeter Höhe und 6 Millimeter Durchmesser ist dieser winzig und verwendbar für Edelstahlseile mit einem Durchmesser von 0,45 bis 0,63 Millimeter. Bis zu drei Kilo Gewicht kann die Konstruktion tragen. Ridi zeigte unter anderem das neue LYV Lichtprofil: Aus dem Aluminiumprofil in zwei Größen lassen sich vielfältige Einzelleuchten sowie auf den Raum abgestimmte Konstrukte konfigurieren, sei es für Anwendungen im Büro, im Bildungsbereich oder in repräsentativen, multifunktionalen Räumen. Die Ausleuchtung ist dabei selbst bei schlanken Profilbreiten gleichmäßig und effizient. Die Verbindung der Profile ist kaum sichtbar – die Beleuchtung wirkt so fließend, die Ecken nahtlos.
Ein warmer Glanz
Messing antik und dunkles Bronze schimmerte mit irisierenden Reflexen als elegantes Detail von vielen Ständen: Neben der bereits genannten Leuchte "Akura" von Nordlux waren unter anderem der neue Spot "SC Invader Model 1 Trimless" aus der Studio Collection von Prolicht mit diesem Finish versehen. Bega nimmt quadratische, flächenbündige Bodeneinbauleuchten für einen Einbau ohne sichtbare Übergänge aus "Bega ThermoBrass" neu in sein Programm, dessen Material korrosionsbeständigen, robust und wärmeleitend sowohl in der Funktion wie in der Optik überzeugt. Bei den Schaltern war der Trend in Richtung Messing noch stärker sichtbar: Gemeinsam mit Dornbracht, Hersteller von hochwertigen Armaturen und luxuriösen Badeinrichtungen, wurden Material- und Fertigungskompetenz gebündelt, um erstmals eine gemeinsame Echtmetalloberfläche für Schalter und Armaturen anzubieten. Zum Auftakt auf der Light + Building wurde ein warmer Bronzeton vorgestellt. Die gebürstete Echtmetalloberfläche verbindet die Schalterprogramme von Jung und die Armaturen von Dornbracht visuell wie haptisch. Die Entwicklung der Oberflächen sowie die Veredelung aller Produkte finden bei Dornbracht statt. Mit der brünierten und von Hand bearbeiteten Oberfläche Messing Antik ergänzt Jung indes das Programm des Kippschalters im Retro-Look LS 1912 um eine hochwertige Echtmetallvariante.
Offen für neue Ansätze zeigte sich auch Hager: Der Gebäudetechnikexperte hat vier Designlinien entwickelt, die universell einsetzbar sind und unkompliziert mit bestehenden Installationen verbunden werden können. Erhältlich sind diese ab Mai diesen Jahres, ab Oktober 2026 wird das Schaltersystem um das Signature-Sortiment mit 16 weiteren Farben für alle Designlinien sowie 15 Materialien erweitert, wie Holz, Stein, Schiefer und Marmor für A.8 und C.8. Der webbasierte Design-Assistent "Style Hub" übersetzt Gestaltungsideen in konkrete Produktkombinationen um die Planung zu vereinfachen. Die Schalter lassen sich in diversen Farben und Ausführungen visualisieren, auf unterschiedlichen Hintergründen begutachten und als Design-ID für Projektpartner freigeben, inklusive direkter Export zu Hager Ready oder in den Bestellassistenten. Mit der "Style Engine" können hochgeladene Raumansichten per KI analysiert und passende Empfehlungen erzeugt werden. Das der Auftritt von Hager in diesem Jahr klarer und übersichtlicher wirkte hatte den Hintergrund, dass die 1919 gegründete Schaltermarke Berker, die seit 2010 ein Teil der Hager Group ist, in der Marke Hager aufgeht. Die runden Berker Designklassiker der Serien 1930, Glas und R.classic sowie den IP55- Aufputzschalter W.1 wird Hager in dem Zuge weiterführen.
Basalte zeigte die eckige Schalterserie "Matisse", die nach dem Maler Henri Matisse benannt wurde. Während die filigranen Tasten in Chrom, Gold oder Schwarz ausgeführt sind, kann die Schalterfläche in einer Vielzahl an Farben gewählt werden. Die funktionale Eleganz von der Fernbedienung "Miro Pro" für Basalte Home wurde von der Jury des Designplus Awards by Light + Building ausgezeichnet, der auch Stylepark angehörte. Simes deckte mit ihrer Präsentation die Strömungen "Bronze" und "Multifunktional" ideal ab: Jede Leuchte der "Bronze collection" wird aus massivem BRAL gefertigt, einer Aluminiumbronze-Legierung mit außergewöhnlicher Widerstandsfähigkeit im Außenbereich. Mit den neuen Außenleuchten "Shift Pro", "Any-Way", "Field" und "Pointer" können Funktionen verknüpft werden – im Fall von "Shift Pro" wird der Mast in eine integrierte Plattform verwandelt, auf der Beleuchtung, Sicherheit, Tonübertragung und Konnektivität in einem einzigen vertikalen Element vereint sind.
Erlebnis Messe
Die Standkonzepte der Hersteller boten in diesem Jahr ein buntes Potpourri, einen konsequent nachhaltigen Aufbau sah man leider selten. Dafür umso erfreulicher, dass Zumtobel ein Paradebeispiel in das Forum 0 setze, wie ein umweltschonender Messebau aussehen kann, der funktional wie visuell ansprechend ist: Bereits zum zweiten Mal wurde die Zumtobel Group infolgedessen von der Jury des Designplus Awards by Light + Building für ihr nachhaltiges Standkonzept mit dem "Sustainable Exhibition Stand-Award" ausgezeichnet. Das Konzept findet durch eine einladende Gestaltung mit ausgewählten Materialien wie Holz und Textil Ausdruck und stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Die modulare Architektur ermöglicht die Wiederverwendung von bis zu 90 Prozent der Materialien.
Angelehnt an die japanische Faltkunst Origami entschied sich Ridi für raumbildende Elemente: Die Präsentationsboxen und -Wände werden kompakt transportiert und im Raum konfiguriert. Die stoffbespannten Rückwände sowie die Informationstafeln an den Innenseiten der Boxen können zudem neu gestaltet werden. "Die zwölf Ridi Origamiboxen für die Light + Building 2026 werden nach der Messe in das langfristige Eventkonzept von RIDI integriert", so Tim Leinberger, Chief Sales Officer. Wever & Ducré setzte wie 2024 auf ein Baugerüst für die Leuchtenaufhängung und versah den Stand dazu mit einem Boden in Neonorange, aus dem der Tresen und die Sitzwürfel in derselben Farbe wirkten, als würden sie daraus hervorwachsen. Die clubbige Atmosphäre unter der Neonschrift "Life is too short for boring lighting" erwachte abends mit einem DJ komplett zum Leben. Lightnet bot eine Lichtinstallation von Playmodes Studio, einem audiovisuellen Künstlerduo aus Barcelona, das den Dialog zwischen Licht, Bewegung und Code erforscht. Signify stellte sich in Kooperation mit Mercedes einen Formel-1-Boliden auf den Stand und erfreute die Gäste mit einem F1-Simulator, in dem der Stadtkurs von Las Vegas abgefahren werden konnte. Die US-amerikanische Wac Group versprach eine "complete experience" und zeigte eindrücklich, das sie damit keine Scherze machte: neben der Vorstellung der Produkte war das Layout ganz auf das Erlebnis ausgelegt. Für die Präsentation der Leuchten wurde so jeweils ein bis in die Details passendes Umfeld gebaut, vom Shop über eine kleine Bäckerei bis zum Retail – währenddessen sich im Zentrum eine meterhohe Lichtskulptur drehte.
Abseits der Ausstellungen der Unternehmen konnten auf dem Messegelände viele interaktive Angebote erkundet werden: Vom PowerFestival über die Werkstattstraße für die junge Zielgruppe bis zum ZVEH-Heißluftballon auf der Agora. Das Kick-off-Event der "ElektroHeldinnen" passend zum Weltfrauentag am 8. März signalisierte die Förderung eines Miteinander in der Branche, in dem Frauen und Männer gemeinsam an einer starken, vielfältigen und zukunftsorientierten Elektrobranche arbeiten. Ebenso ließ die Initiative Women in Lighting weibliche Perspektiven im Lichtdesign sichtbar werden. Die Design Plaza hat sich indes auf der Light + Building zum zentralen Meetingpoint etabliert, auf der sowohl viele Touren starten, wie Talks und Preisverleihungen stattfinden. Ganz nebenbei bietet das Stilbüro bora.herke.palmisano dort einen guten Überblick, welche Trends es für das Leuchtendesign 2026/27 analysiert hat. Unweit der Designplaza konnte die neue Sonderschau "The Living Light" der Light + Building erkundet werden, die das Lichtplanungsbüro Lichtvision Design unter der Leitung von Carla Wilkins entwickelt hat. Vier Themenbereiche "Home", "Education", "Workplace" und "Communication" zeigten auf, wie Licht Orientierung gibt, Stimmung schafft und Austausch inspiriert.
Auf dem weitläufigen Areal wurde zudem einer Gruppe JungdesignerInnen wieder die Chance gegeben, ihre Arbeiten auf der Light + Building an prominenter Stelle kostenfrei zu präsentieren – wie "Main Light" von Tobias Trübenbacher und Andreas Lang. Das Pilotprojekt wird an der Weseler Werft im Rahmen des World Design Capital Frankfurt Rhein Main 2026 realisiert. Die Leucht-Module sind mit großformatigen, farbigen, transluzenten Solarfolien betrieben, die in Kooperation mit dem Hersteller Asca entwickelt wurden. In Verbindung mit bedarfsabhängiger Lichtsteuerung und innovativer LED-Technologie von ewo entsteht eine energieautarke Beleuchtungsinfrastruktur, die auch zur Beschattung taugt. Die regenerative Energiegewinnung wird bewusst sichtbar gemacht: Die Solarfolie ist kein verborgenes technisches Bauteil, sondern zentrales, buntes Gestaltungselement. Spannend waren auch die Vorträge im Forum des BTGA (Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung e. V.) zum Thema Smarte Gebäude. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Mainz wurde in einer Live-Präsentation ein Smart Building-Reallabor vorgestellt.
1.927 nationale und internationale Aussteller stellten in diesem Jahr bei der Light + Building aus, 2024 lag die Zahl bei 2.169 Unternehmen. Einige Hallen wirkten daher deutlich ausgedünnt. Die hohe Nachfrage für die Themen der zukunftssicheren Energie- und Gebäudetechnik blieb davon unberührt. In den Gesprächen auf den Ständen wurde stets betont, dass in Zeiten, in denen zahlreiche globale Krisen sowie die fortschreitende Digitalisierung komplexe Fragestellungen für die Abläufe in Planung, Bau, Betrieb aufwerfen, eine gemeinsame Plattform für den Austausch unerlässlich ist, gerade für die europäischen Hersteller. Die Branche befindet sich im Wandel und prüft – auch aus der Not heraus – ihre Gefüge. Das die Dekarbonisierung und die möglichst unkomplizierte Ertüchtigung des Gebäudebestands in dem Zuge neu beleuchtet wird, ist erfreulich. Die Energiewende und Ressourcenknappheit, die Steuerlast, der stete Mangel an Fachkräften und die notwendigen Investitionen im Bereich der Digitalisierung lässt gegenwärtig die Kosten an vielen Stellen in die Höhe schnellen. Die Unsicherheit über diese Entwicklung fördert die Investitionsschwäche im Inland und eine Verlagerung ins Ausland. Umso bedeutender ist die ganzheitliche Sicht auf die Wertschöpfungskette der Elektrifizierung und neue Ideen, die das Potenzial haben jene Strukturen in der Branche zu verändern, die nicht mehr zukunftsfähig sind.





































