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Robert Hahn und Jacobo Cuesta Wolf

JUNGE TALENTE
Freude am Prozess

Hinter Hahn&CuestaWolf steckt das Designerduo Jacobo Cuesta Wolf und Robert Hahn. Gemeinsam entwickeln sie Möbel-, Produkt- und Lichtdesign sowie maßgeschneiderte Lösungen für die Innenarchitektur. Einblicke in ihre Arbeit geben sie uns im Interview.

Anna Moldenhauer: Jacobo, du hast Industriedesign studiert und unter anderem bei Werner Aisslinger gearbeitet. Was hast du aus deiner Zeit im Studio als Erkenntnis mitgenommen?

Jacobo Cuesta Wolf: An der Hochschule Wismar habe ich Produktdesign studiert und dort recht früh begonnen Kurse in Innenarchitektur zu belegen. Möbel sind für mich die Schnittstelle zwischen Raum und Objekt. Das Praktikum war Teil des Studiums und ich habe recht lange überlegt, wo ich mich bewerben möchte. Die Arbeit bei Werner Aisslinger war ein gutes Match und ich habe von dort eine Menge Eindrücke mitgenommen – zum Beispiel, dass in der Gestaltung relativ viele Schleifen gedreht werden. Zudem gab es über Werner Aisslinger und einige ProfessorInnen aus Wismar einen Bezug zu der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, denn relativ viele Personen, mit denen Werner studiert hat, sind jetzt hier Lehrende an der Burg. Ich habe nach meiner Zeit in Wismar daraufhin dort Industriedesign studiert. Der Prozess des Gestaltens hat in diesem Studium eine große Rolle gespielt. Mit der Zeit habe ich mich dann immer mehr zu den "Everyday Objects" orientiert. Die Zeit bei Werner Aisslinger ist bis heute prägend und hat mein Interesse in Richtung Prozesse, Materialien und Möbel auf jeden Fall gestärkt.

Robert, du hast vor deinem Studium der Innenarchitektur eine Tischlerlehre absolviert. Warum hast du dich dafür entschieden ein Handwerk zu lernen, anstatt direkt zu studieren?

Robert Hahn: Ich habe mich von Kindesbeinen an dem Handwerk verbunden gefühlt, daher war die Tischlerausbildung für mich ein logischer Schritt. Mit dem Studium konnte ich darauf aufbauen. Früher haben die HandwerkerInnen und Handwerker die Gestaltung übernommen und heute wird oft der Entwurf in einem Büro erstellt und dann an das Handwerk übergeben. Ich fand es spannend und wichtig, beide Seiten zu kennen, denn wenn man beide Seiten kennt, kommt man eher zu einem schlüssigen Ergebnis: Gut gestaltet und durchdacht für die Fertigung wie Produktion.

Ihr lehrt beide an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle. Was ist euch wichtig zu vermitteln?

Jacobo Cuesta Wolf: Wir haben uns über die Lehre kennengelernt und schnell gemerkt, dass unser Fokus unserer eigenen Arbeit, als auch bei dem, was wir vermitteln möchten, recht ähnlich ist. Wir möchten den Studierenden das entwerferische Denken mitgeben, die Freude am Prozess wie über Eins zu Eins-Modelle schlüssig zu einem Entwurf kommen. Dazu sind uns Themen wie die Lebenszeiten von Objekten wichtig, denn die Nachhaltigkeit von Objekten definiert sich nicht nur über eine Materialiät, sondern auch über den Lebenszyklus. Das ist ein Punkt den man als GestalterIn ganz konkret beeinflussen kann.

Eure Gestaltung ist ehrlich, praktikabel, robust. Ihr verschleiert nichts. Parallel testet ihr die Grenzen von Holz aus. Was reizt euch daran?

Jacobo Cuesta Wolf: Die Auseinandersetzung mit Holz kam auch daher, dass Robert Tischler ist und da eine große Expertise hat. Wir haben in den Projekten sehr viel mit Metall gearbeitet. Holz ist ein nahbares Material, was sich in der Verarbeitung gut kontrollieren lässt, daher arbeiten wir auch oft in der Lehre damit. Wir hatten aber auch den Eindruck, dass die Möglichkeiten mit Holz zu arbeiten noch nicht richtig ausgeschöpft sind. Wie mit Blick ein System aus Holznägeln, dass vom Fassadenbau stammt und auf die Möbelfertigung übertragen wird.

Stuhl "Woodworks"

Wie arbeitet ihr, könnt ihr da ein Beispiel geben?

Robert Hahn: Bei uns ist es oft so: Einer hat eine Idee, sei es für eine Technik oder ein Detail. Wir besprechen diese und schauen, ob wir uns beide dafür begeistern können. Beim Start ist das Ergebnis in der Regel noch offen. Dann geht es relativ schnell zum Prototypenbau, um zu sehen, ob die Idee tragfähig ist. Meistens haben wir fünf bis zehn Modelle getestet, bis wir einen akzeptablen Zwischenstand oder das Ziel erreicht haben.

Ihr realisiert neben eurer Zusammenarbeit auch noch weitere Kooperationen und eigene Projekte. Was muss gegeben sein, dass ihr gemeinsam eine Idee startet, anstatt sie alleine oder im Verbund mit anderen umzusetzen?

Robert Hahn: Es ist ein wenig typologieabhängig, aber im Grunde arbeiten wir beide relativ wenig allein. Robert und ich teilen die Begeisterung für Technologie, für Prozesse, für die Faszination zu Alltagsgegenständen. Sobald die Idee dann in Richtung Architektur und Raum geht, suchen wir den Austausch zu anderen Kreativen. Wir glauben nicht an das Bild des alten Autorendesigners, sondern an Kooperationen.

Was ist das Fazit eurer Teilnahme am diesjährigen SaloneSatellite?

Jacobo Cuesta Wolf: Je länger der SaloneSatellite 2025 vorbei ist, umso mehr merken wir, wie wertvoll es war teilzunehmen. Wir haben dort KollegInnen kennengelernt wie Alexander von Dombois und hatten zudem die Chance von internationalen Personen ein Feedback zu bekommen. Interessant fanden wir auch, dass viele BesucherInnen an unserem Stand gefragt haben, ob wir die Objekte auch selbst in kleinen Stückzahlen produzieren könnten. Darüber hatten wir bisher nicht nachgedacht. Auch das Label "25kg" von Konstantin Grcic in Mailand zu sehen, hat uns inspiriert. Wir haben also auf jeden Fall einige Denkanstöße aus der Zeit dort mitgenommen.

Outdoorstuhl
"Snippet" Leuchte
Outdoorbank

Wie seht ihr die Situation für junge GestalterInnen aktuell?

Robert Hahn: Die Lage ist hinsichtlich der wirtschaftlichen Gesamtsituation durchaus angespannt. Dennoch glaube ich, dass vieles möglich ist. Als junge GestalterInnen müssen wir nicht die eingefahrenen Wege gehen, die die Generationen vor uns beschritten haben. Die Präsenz von Social Media hat vieles aufgeweicht und heute geht es auch darum, die neuen Möglichkeiten clever zu nutzen. Ein gutes Foto ersetzt nicht den Effekt, wenn man unsere Bank anhebt und merkt, dass die nur vier Kilo wiegt. Daher ist die Kombination aus beiden so wichtig.

Jacobo Cuesta Wolf: Die neuen Möglichkeiten sind Fluch und Segen zugleich. Werner Aisslinger sagte zu mir mal, er hätte den Eindruck, dass GestalterInnen teils nur noch für Marketingzwecke angefragt werden. Vor allem junge Kreative haben dadurch Probleme in der Branche Fuß zu fassen. Parallel habe ich den Eindruck, dass die größere Vernetzung uns die Chance gibt, die Dinge anders zu produzieren, auch in Eigenleistung. Die Wege wandeln sich und man muss schauen dabei Schritt zu halten.

Wo sind eure Arbeiten als nächstes zu sehen?

Jacobo Cuesta Wolf: Das loten wir gerade aus, beispielsweise mit Blick auf die 3daysofdesign im kommenden Jahr. Ebenso überlegen wir eigene kleine Ausstellungsformate zu aktuellen Fragestellungen zu entwickeln und dafür mit Kreativen zusammenzuarbeiten, die wir kennen.

"Woodworks" Bank
"Step" Hocker
"Frame" Regal

Woran arbeitet ihr gerade?

Robert Hahn: Im Grunde an vielen Dingen parallel. Neben unseren Objekten aus Holz und Metall haben wir auch begonnen eine Leuchte zu entwerfen, die dank einer Aufhängung sowohl stehend wie hängend funktioniert. Auch haben wir unseren Maßstab etwas verkleinert und zuletzt beispielsweise eine Pfeffermühle gestaltet. Parallel arbeiten wir auch mit Keramik.

Jacobo Cuesta Wolf: Uns gehen die Ideen auf jeden Fall nicht aus. Es ist eine sehr komfortable Situation, wenn man zehn oder zwanzig Ideen gleichzeitig auf dem Tisch liegen hat, die in verschiedene Richtungen gehen, um dann zu entscheiden welchen Ansatz wir vertiefen möchten.

Stand SaloneSatellite 2025